derwisch hat geschrieben:
Unter "der Welt Wirtschaftskräfte" fallen dann aber doch auch diejenigen, die nicht nennenswert produzieren (können), diejenigen, die Transferleistungen in Anspruch nehmen müssen, ohne auch nur entfernt die Möglichkeit am Horizont zu sehen, diese jemals überflüssig werden zu lassen, und auch diejenigen, die aufgrund der fehlenden sozialen Absicherung und des niedrigen Lebensstandarts zu Preisen produzieren und verkaufen können, die in den "reichen" Ländern nicht geboten werden könnten.
Welche Länder wären das?
Warum müssen die Transferleistungen in Anspruch nehmen und warum werden diese Transferleistungen nie irgendwann überflüssig?
Warum fehlt in diesen Ländern die soziale Absicherung?
Warum ist dort der Lebensstandard (noch) so niedrig?
derwisch hat geschrieben:
An dieser Stelle frage ich mich immer ernsthaft, warum Globalisierung als Begriff immer so negativ verstanden wird.
Es ist sicher nicht die Globalisierung selbst, sondern die Art, wie sie stattfindet. Statt die geballten Resourcen zu nutzen und den Lebensstandard in schwächeren Ländern anzuheben, führt die Globalisierung zum Gegenteil - zum Abbau sozialer Errungenschaften in den reicheren Ländern.
derwisch hat geschrieben:
Im 19. Jahrhundert hat eine ganz ähnliche Form der Globalisierung gerade dazu beigetragen, dass es vielen Ländern der Welt wirtschaftlich besser ging. Als sich dann die USA, England und Frankreich per Einfuhrzöllen und Steuern gegenüber dem Markt verschließen wollten, funktionierte das System nicht mehr.
Darunter leidet "die Weltwirtschaft" im Prinzip noch heute.
Es macht eben wenig Sinn, für ärmere Länder Zölle auf deren Güter zu erheben, um diese nicht ins Land zu lassen, sondern sie im eigenen Land zu einem Vielfachen der Kosten zu produzieren und damit prinzipiell ja die Kaufkraft der Menschen im eigenen Land zu senken.
Das ist eine einseitige Sichtweise. Wenn Du zum Beispiel Schuhe in China unter menschenunwürdiger Sklavenarbeit herstellst und diese zu einem Schleuderpreis in Deutschland verkaufst, hältst Du einerseits den Lohn in China am Boden, ziehst zwangsweise den Lohn in Deutschland in den Keller, schaffst in Deutschland Arbeitslose und belastest damit die Sozialkassen. Statt dessen wäre es besser, den Standard eben auch in China anzuheben, die Produktionsbedingungen zu verbessern, die Löhne anzugleichen und ich bin sicher, dass 1 Mrd. Chinesen auch eine ganze Menge kaufen könnten...
derwisch hat geschrieben:
Das Problem an dieser Stelle ist eben lediglich, dass es zu einem weltweit funktionierenden System ohne solche Barrieren, einer Art Konsens unter fast allen Staaten bedürfte, der wohl nicht zu schaffen ist. Es sei denn auf eine in irgendeiner Form dirigistische Art und Weise. Frag sich eben nur, wer die Institution sein soll, die das dann lenkt?
A bit sarcasm: Lafontaine würde sich zwar sicher zur Verfügung stellen (vielleicht als Weltbankpräsident?), aber wer garantiert dann, dass er nicht wieder nach einem schlechten Traum am nächsten Morgen aufwacht und die Brocken einfach hinwirft?
Das ist keine Frage von Personen, sondern von Nationen und da wiederum nicht (nur) von deren Regierungen, sondern deren Einwohnern. Das Problem muss den Leuten zunächst mal bewusst werden, dann müsste eine Einsicht reifen und dann der eigene Wille zum Handeln. Illusorisch, ich weiß. Dazu bedarf es sicher noch 50 bis 100 Jahre.

Think twice...