Der Witz ist: Eigentlich mag ich das Hessisch hier aus der Gegend um Frankfurt üüüüüüüberhaupt nicht. Wenn einer das in breitester "Maddin"-Schwätze spricht, dann ich finde ich es richtig assig. Wobei es ja eigentlich gar kein Hessischer Slang ist und nur im Rest der Republik gedacht wird, wir Hessen würde alle so sprechen. Es ist aber ein Rheinfränkisch, das echte Hessisch spricht man in Mittel- und Oberhessen, also nördlich von Ffm., um Gießen, Wetzlar, Marburg herum (also da, wo ich herkomme).
OK, klugscheißoff. Ich spreche eigentlich ein recht klares Hochdeutsch, obwohl meine Eltern/Großeltern und der Rest der Familie untereinander immer "Owerhessisch Platt" gesprochen haben. Mit den Kindern haben jedoch alle in der Familie Hochdeutsch gesprochen, mein Großvater stammt zudem aus Ostpreußen, bzw. dessen Familie aus Norddeutschland, so dass ich von klein auf gutes Deutsch vorgesprochen bekam. Mein Kind somit auch. Bei meiner Mutter waren alle Kolleginnen mal bass erstaunt, als sie sie das erste mal mit meiner Großmutter telefonieren hörten. Sie dachten immer, meine Mutter stamme aus Niedersachsen oder so und dann sprach sie breitestes hessisches Platt (ich kann das übrigens auch, meine fünfte Fremdsprache

).
Obwohl ich den Frankfurter/Offenbacher Slang nicht so mag merke ich aber, dass ich zum Beipiel bei bestimmten Kunden das mache, was man "spiegeln" nennt - ich passe mich automatisch dem Klang seiner Sprache an und mein sonst klares Hochdeutsch mit sehr wenig hessischer Färbung geht in Richtung "Offebäscher Gebabbel".

Ist Kollegen von mir auch schon aufgefallen. Gleiches passierte mir schon zu Besuch bei Freunden in Ulm, da beginne ich nach ein paar Tagen mit schwäbischer Einfärbung zu reden und bin ich in NRW oder in Norddeutschland, ganz genauso. Dennis geht es ähnlich, eigentlich spricht er auch sehr schönes Deutsch, allerdings hört man bei ihm doch öfter mal raus, dass er die meiste Zeit seines Lebens in der Nähe von Frankfurt aufgewachsen ist.

Wobei es bei ihm auch danach geht, mit wem er gerade spricht. Er kann da wie ich auch ganz gut switchen. Na gut, durch die Plattsprecherei der Großen sind wir in unserer Familie ja sozusagen zweisprachig aufgewachsen, vielleicht kommt daher unser Talent.
Lange Rede, gar kein Sinn: Ich finde es fürchterlich, wenn Kinder den Slang ihrer Gegend ganz extrem sprechen und überhautp nicht in der Lage sind, situationsangepasst auch mal halbwegs dialektfrei zu reden (von Einfärbungen mal abgesehen, von denen ist wohl kaum jemand ganz frei). M.E. sind da Probleme verschiedenster Art vorprogrammiert. Seien es nun Vorurteile der anderen, dass man sie für Bauerntrampel hält oder aber auch Probleme im Deutschunterricht. Ich bin daher sehr dafür, dass man mit Kindern "gutes" Deutsch spricht.
Wobei ich es allerdings sehr begrüße, wenn Kinder beides kennen (und können) - Hochdeutsch und den Dialekt ihrer Gegend. Fördert die sprachliche Intelligenz und wir haben in diesen alten Dialekten so ein reiches und althergebrachtes Kulturgut (teils ja mit eigener Literatur, Liedern etc.), das gehört auch gepflegt. Desweche du ich aach ab'n'an ema e bissi Platt schwätze med'm Kend. -> Deswegen spreche ich ab und zu einmal auch ein bisschen Platt mit dem Kind.
Gruß
Christine